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HÖRPROBEN FEAT.: BERNADETTE LA HENGST & KAJAK im Mandarin Kasino |
24.11.2006 - Aus allen Quellen sprudelt es auf dem neuen Album „La Beat“ von Bernadette La Hengst. Der Grrrl-Pop-Punk ihrer Ex-Band „Die Braut haut ins Auge“ hatte sich schon 2002 auf dem Solodebut „Der beste Augenblick in deinem Leben“ in Richtung elektronisch tanzbarer Chansons verschoben. Mit noch mehr catchy Heimstudiopräsenz legt Bernadette La Hengst für die neuen Songs mal eben die Gesangsspur nach und zaubert die coolsten Glam-Orgien, Offbeat-Revues und Trash-Dance-Hits aus den postfeministischen Klangspeichern. Unterstützung kam von Ekkehard Ehlers als Coproduzent, einem Teil des Schwabinggrad Balletts und anderen befreundeten MusikerInnen zwischen Hamburg, Berlin und Delhi. Aufgepasst, da hopsen die impulsiven Elektrofunkrhythmen aus der Groovebox wie Springteufelinnen, und sie heizen gründlich ein in den Speaker’s Corners von der alten „Dead School Hamburg“ bis ins neue Berlin, wo Bernadette La Hengst seit kurzem lebt. „140 Beats per minute schlägt mein Herz mich bis zum Limit“, der „Hunger“ ist noch lange nicht gestillt. Manchmal predigt sie soulful wie eine Gospelfurie, nicht ohne die Brechung durch das gesampelte Zitat eines „weiblichen“ Reverends, manchmal surft sie über die Grenzen von Disko und Schlager hinweg und landet damit bei „RnLaB“. Bernadette La Hengst ist die Katze mit den neun Leben - ungezähmt und gierig scheint sie sie alle gleichzeitig zu leben: Schauspielerin, Bandgründerin, Strassentheateraktivistin, Booking Agentin für Musikerinnen, Solokünstlerin, Songschreiberin - und seit vorigem Jahr Mutter einer Tochter. Von der Theaterbühne holt sie den Song „Copy me (I want to travel)“ über Freiheitssehnsucht und Kollektivismus, auf den HipHop Floor schmeißt sie „Rockerbraut & Mutter“, den ersten Song übers Kinder kriegen, der ohne sentimentale Besinnlichkeit auskommt, und mit dem sie ihr eigenes Role Model kreiert. Lieder über das Recht auf Faulheit, Internationalismus und die Forderung: „Her mit der Utopie“: „für die Entrechteten“ in allen Ländern ebenso wie für die „Rachelüstigen, die weißen Mitteleuropäer,..., Kapitalismusgläubigen, Neoliberalen, Motivationsarmen,..., Kulturgeschockten und vom Leben Gerockten.“ Aus ihrer Vergangenheit als Agitations-Chanteuse wirft Bernadette La Hengst das eingesammelte Wollen noch ein Stückchen weiter nach vorn. Ganz nebenbei beherrscht sie die verschiedenen Tonlagen zu ihren Stimmungen von kämpferisch bis introspektiv, in den privatesten Momenten brechen plötzlich die Wunden der Welt auf und das Politische gerinnt zum persönlichen Schmerz: „..doch selbst wenn wir alles lesen können über einen Krieg, weiß ich trotzdem nicht, woran es liegt, dass du mich nicht mehr liebst.“ Den "La Beat“ der sinnlichen Gegenwart lässt sie durch die Positionsbestimmungen pulsieren, und findet für all das vielfach Vernetzte nicht nur erneut den passendsten popkulturellen Wumms in Wort und Ton, sondern auch eine kongeniale optische Umsetzung. Das LaBeat-Girl, das vom Cover aus der Welt emphatisch einen rein trommelt, wünscht man sich sofort als Tapete im Kommunalen Mädchentreff, und auf dem zum Booklet gefalteten Orientierungsplan kreuzen sich die geo- und biografischen Eckdaten mit emotionalen Ereignissymbolen, wo die Hoffnung, auch für die kämpferischste Rockerbraut aus der ostwestfälischen Provinz, manchmal ganz leise am gelbgrünen Haltestellenschild vom Regionalbus wartet. Bitte einsteigen - und Türen offen lassen: „La Beat goes on“. Infotext: Pinky Rose]
FREITAG 24. NOVEMBER 2006. Mit freundlicher unterstützung der kulturbehörde hamburg sowie des ndr und in kooperation mit der redaktion des ndr info führt rockcity hamburg e.v. seit 12 jahren die veranstaltungsreihe "hörproben" durch, ein hochkarätiges förderformat für bands aus norddeutschland. der musikerverein präsentiert livemitschnitte der "hörproben"- veranstaltung als konzerte lokaler künstler von hoher qualität. ausgewählte bands haben die möglichkeit mit programmankündigung, songs, interviews und konzertmitschnitt mit maximaler reichweite on air zu gehen und so neue hörerschichten zu generieren.
INFO: KAJAK – www.k-jak.de
"Diskret kritisch. Unaufdringlich klug", schreibt die Süddeutsche Zeitung bezogen auf das aktuelle Album "Tief drinnen - weit draußen" von Kajak. Die Hamburger Band um Matthias Rothaug, die schon mit ihrem Erstling "Haus der Jugend" die Pop-Welt aufhorchen ließ, geht nun über diesen hinaus. In neuer Besetzung (als klassisches Trio: Schlagzeug, Bass, Gitarre) trifft das Gitarrenwissen aus 20 Jahren Indie-Geschichte auf ein absolut umwerfendes Gespür für raumgreifende Melodien. Rothaugs Texte fordern das Recht zum Neinsagen, doch seine Musik kommt so catchy daher, dass man fortwährend nicken möchte. Kajak ist eine Palindrom gewordene Ohrwurmmaschine; man kann es drehen und wenden, wie man will: Kajak verschickt vielschichtigen, mitreißenden Pop von St. Pauli aus in die Welt. Die Songs streben nach Zeitlosigkeit und Perfektion. Während Kajak sie als funkelnde Miniaturen am Dach der Erde verteilt, erscheinen am Horizont die Umrisse der Alten Meister: Bob Moulds Sphärenharmonie, Sonic Youths Gespür für menschenfreundlichen Krach, die klügeren Köpfe deutschsprachiger Musik in den 90er Jahren (...) Doch immer wieder zieht es uns in den ureigenen Kajak-Kosmos zurück, der bei aller Anlehnung an Bewährtes seine speziellen Gesetzmäßigkeiten besitzt. Und wer Kajak da reinreden will, bekommt ein souverän gereiztes "Versau mir nicht den Tag, indem du sagst, was ich zu denken hab" mit auf den Weg. Kajak ist ein großer (Ent-)Wurf, der alle teilhaben lässt, doch für Vereinnahmungen jeglicher Art nicht zur Verfügung steht. Das Album "Tief drinnen - weit draußen" wurde von Tobias Levin im Electric Avenue Studio abgemischt und das Mastering besorgte Chris v. Rautenkranz im Soundgarden Studio Hamburg. Vor Kajak wirkte Rothaug an zahlreichen Bandprojekten mit, darunter Tex Fury & The Silver Spurs, Die Braut haut ins Auge und Fink. Neu dabei ab 2006 sind Sandra Zettpunkt am Schlagzeug (vorher 5 Freunde, Camping, Incredible Sinalco Bums) und Jens Fischer (vorher Daisy Chain, Porno Pop und Lust). [Infotext: Kajak]