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Blond Concrete Clubbing pres. Die Matadoren vs. Sono DJ Team


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Lennart A. Salomon, Florian Sikorski und Martin Weiland polieren als Sono den Synthie-Pop auf Hochglanz und machen ihn frisch für das dritte Jahrtausend. In ihrem Hamburger Studio, wo normalerweise internationale Mainstream-Hits abgemischt werden, ist ehrlicher Größenwahnsinn das Gaspedal und falsche Bescheidenheit die Bremse. Warum? Pop muss groß gedacht werden, damit er groß klingt. Keine Fragen!

Freitag, 26.01.07 23.00 Uhr
8,- Euro    Blond Concrete Clubbing pres. Die Matadoren vs. Sono DJ Team Music: Electro-House
Mainfloor: André Schwarz & Sono DJ Team
Basement: Dam-on
Lounge: Jedt

 

 
SONO

Lennart A. Salomon, Florian Sikorski und Martin Weiland polieren als Sono den Synthie-Pop auf Hochglanz und machen ihn frisch für das dritte Jahrtausend. In ihrem Hamburger Studio, wo normalerweise internationale Mainstream-Hits abgemischt werden, ist ehrlicher Größenwahnsinn das Gaspedal und falsche Bescheidenheit die Bremse. Warum? Pop muss groß gedacht werden, damit er groß klingt.

Wenn Musik auch als Sprache zu verstehen ist, dann sprechen Sono Esperanto. Sono bedeutet zu deutsch schlicht „Klang“ – vielleicht nur ein lautmalerischer Zufall, möglicherweise aber auch ein Versprechen. Esperanto, jene visonäre wie kuriose Sprache, setzt sich aus einfachen Wörtern zusammen, deren Ursprung man zu kennen glaubt und deren Sinn man auch ohne die genaue Übersetzung intuitiv erschließen kann. Mit Sonos Musik ist das ganz ähnlich. Ganz gleich, welcher musikalischen Muttersprache man sich verpflichtet fühlt, Sonos Vokabular an elektronischer Popmusik ist so elementar und eindeutig, dass Verständigungsschwierigkeiten so gut wie ausgeschlossen sind. Ihr satter, hochauflösender, größenwahnsinnig perfektionierter Sound beschert selbst eingefleischten Elektronik-Legasthenikern ein erstes Aha-Erlebnis und Liebhabern elektronischer Musik die Vermutung, dass es sich hier um eine englische Produktion handeln muss. Keine Frage, die Band, die sich „Klang“ nennt, hält das Versprechen ihres Namens.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: die drei Jungs von der Waterkant sind alles andere als großmäulige Schaumschläger, die sich den Poptraum schön träumen. In ihrer Arbeit sind sie gnadenlos professionell, realistisch und wer schon einmal eines ihrer Videos gesehen hat dürfte auch von ihrer gesunden Portion Selbstironie überzeugt sein. Allerdings zögern sie nicht, im richtigen Moment die großen Klunker aus der Popschatulle zu zaubern: Gefühl, Seele und Botschaften, die nicht misinterpretiert werden können. Trotz dichter Strukturen überwiegt in ihren Songs eine charmante Fluffigkeit, die selbst beinhart bouncende Elektro-Beats in Schäfchenwolken hüllt und schwersüßen Melodien den Pathos raubt. In Lennarts Gesang schimmert eine coole Sinnlichkeit, die er vor allem in den ruhigen Songs mit aller Zeit der Welt voll zur Geltung bringt. Ohne zu kokettieren spielt er mit dem jungenhaften Timbre seiner Stimme, die ähnlich verführerisch sein kann wie der sanftkalte Schmelz einer Tafel weisser Schokolade aus dem Kühlregal im Sommer. Trotz klassischem Songwriting widerstehen Sono jeder rückwärtsgewandten Retro-Ästhetik. Stattdessen orchestrieren sie ihre Version des Synthie-Pop mit hypermodernen Klangwelten zu einem korsettfreien Stil, der unprätentiös seinen Beitrag zum aktuellen Stand der musikalischen Dinge leistet.

Seit zwei Jahren arbeiten Sono als Band zusammen und fühlen sich von ihrem schnellem Erfolg ein wenig überrumpelt. Zwar mussten auch sie zu Beginn Label-Klinken putzen wie alle anderen No-Names auch, konnten aber schliesslich mit Polydor gleich einen Major-Vertrag abschließen. Und ihre erste Single „Keep Control“ wurde ein Top-Ten-Erfolg nicht nur hierzulande, sondern hielt sich ganze 6 Wochen auch in den amerikanischen Billboard-Dance-Charts, die den Titel als ersten deutschen Hit überhaupt zum Track des Jahres 2001 kürten. So unterschiedliche Kollegen wie Trooper Da Don, Guano Apes oder Justus Köhncke outen sich als Fans, andere wie Fisherspooner, Filur und Timo Maas geben Remixe in Auftrag. Mit ihrem ersten Album „Solid State“ stoßen Sono schließlich in selbst für sie überraschende neue Hörerschaften vor – der Langspieler findet nicht nur in der einschlägigen Dance- und Pop-, sondern auch in der Gothic-Szene großen Anklang und bestärkt die Band in ihrem Anspruch, frei von Genreschubladen und über den Tellerrand hinaus zu produzieren.

Apropos Band – wann haben wir eigentlich aufgehört, diesen Begriff für Musiker zu verwenden, die hauptsächlich elektronisch produzieren? Ist Rock = Band, Pop = Gruppe, Dance = Act eigentlich eine Formel, die wir hinnehmen müssen? Sono jedenfalls versteht sich als Band, aus gutem Grund. Dass ihre Story zu Beginn des dritten Jahrtausends vielleicht nicht mehr ganz den klassischen Proberaumgeschichten entspricht, ist dabei wohl eher ein Zeichen der Zeit. Denn dass die drei als Profis zusammengefunden haben, kann man ihnen wohl kaum vorwerfen. Seit 1995  schrauben Florian Sikorski und Martin Weiland gemeinsam an eigenen musikalischen Ideen. Florian ist ein weltweit gefragter Toningenieur mit eigenem hochprofessionellen Studio, Martin arbeitet für ein Dance-Label und ist seit vielen Jahren ein bekannter DJ in einschlägigen Hamburger Clubs. Lennart A. Salomon war Sänger und Schlagzeuger in diversen Rock, Jazz und Funkbands, bevor er 2001 auf Empfehlung einer Freundin seine zwei Mitstreiter kennenlernt, die auf der Suche nach einer passenden Stimme für ihren potentiellen Hit „Keep Control“ waren. Als sich die drei in Florians Studio treffen, ist allen schnell klar, dass es von nun an gemeinsam weitergehen muss – als Sono, als Band. Das Salz in der Suppe einer Band sind eben nicht die äußeren Randbedingungen allein, sondern das, was den inneren Zusammenhang ausmacht. Es geht um die Auseinandersetzung innerhalb der Band und die Fähigkeit, die unterschiedlichen Stärken ihrer Mitglieder so zu verknüpfen, dass eine gemeinsame musikalische Vision entsteht, die bestenfalls zu mehr als die Summe der einzelnen Teile führt. Florian und Martin basteln Sounds und Beats, Lennart macht Songwriting und spricht auch beim Arrangement ein Wörtchen mit. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Band von Anfang an Bühnenkonzerte in Betracht gezogen hat und ihre Songs mit Bass, Percussions und Gitarre live spielbar sind. Lennart ist eben die unverbesserliche Rampensau der Gruppe, was er auch mit seinem funkigen Solo-Freestyle-Alter-Ego Jerobeam (Hazlewood/Universal) eindrucksvoll unter Beweis stellt. Kein Wunder, dass die Drum’n’Bass Rulebreaker Kosheen aus Bristol in Sono ihre Brüder im Geiste sahen und sie als Erste für eine gemeinsame Tournee verpflichteten – für die Band das persönliche Highlight 2002. Das Nachsehen hatten St .Etienne, Underworld und Softcell, die Sono ebenfalls als Tourpartner gewinnen wollten.

Nach soviel „over the top“ haben sich Sono erst einmal ins Studio zurückgezogen, um in Ruhe das Erlebte für ihr zweites Album zu verarbeiten. „Off“ nennen sie sinnigerweise das neue Werk, das stärker als bisher Sonos Identität als Band vermittelt. Die Konstruktionen sind komplexer geworden, ohne kompliziert zu werden, Lennarts Songwriting anspruchsvoller, vielleicht etwas düsterer, ohne kopflastig zu beschweren. Für die erste Single gehts jedoch erst einmal auf die Tanzfläche, genau dorthin, wo auch für Sono alles begann. „Heading For“ mit Remixen von den Berliner Hipstern Monosurround und den englischen Dub-House-Schockern Chicken Lips ist ein klares Statement dafür, dass fortgeschrittener Pop eben auch seine Wurzeln im Dance-Bereich finden darf. Hätte das vor 10 Jahren jemals jemand gedacht?

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